wie weiter nach dem BREXIT votumVorweg zur Beruhigung: Die Welt wird nicht untergehen und die Wirtschaftsleistung Grossbritanniens bleibt der Welt vorerst erhalten, ebenso die Queen. Nur auf den zurückgetretenen Premier David Cameron müssen wir künftig verzichten. Die Märkte sind vom BREXIT-Votum auf dem falschen Fuss erwischt worden, achtete man doch zu stark auf die Buchmacherquoten der englischen Wettbüros. Weil dort grössere Beträge auf Remain und nur kleinere Beträge auf Brexit gesetzt worden sind, mussten die Buchmacher die pro-BREXIT-Quoten laufend anpassen; ein BREXIT schien unwahrscheinlicher obwohl anzahlmässig gleich viele Leute auf BREXIT wie auf Remain gesetzt haben. Deshalb kam die Börse auch ziemlich stark unter Druck.

Knapp 10 Tage nach BREXIT präsentiert sich die Lage wie folgt: Das Pfund ist unter starkem Abwärtsdruck und markiert neue 30-Jahres-Tiefststände. Auch der Euro kam zum USD unter Druck. Stark gelitten haben Britische Banken und der Immobiliensektor, wo momentan alle Geld abziehen wollen, sodass schon 6 oder mehr grosse Immobilien keine Rückzahlungen mehr tätigen können. Die exorbitanten Immobilienpreise in London, wo man 1000 Pfund und mehr für die Miete einer Besenkammer bezahlt hat, kommen nun unter Druck, eine Blase droht zu platzen. Anleger setzen in diesem Umfeld vermehrt auf Sicherheit. Gesucht waren Gold, Silber, Staatsanleihen (neue Negativ-Zinsrekorde), der USD, der Yen sowie der Schweizer Franken, welcher von der Nationalbank künstlich tief gehalten worden ist, damit er nicht zu stark wird.

 

Wie geht es weiter in Grossbritannien? 

Das tiefe Pfund hilft nun den Exporteuren und dem Tourismus. Eine Immobilienkrise dürfte für das Land eine Banken- und Wirtschaftskrise bedeuten, was nicht zu wünschen ist. Neuwahlen sind angesetzt. Das Land ist in einer Patt-Situation. 51% wollen raus aus der EU, 49% nicht. Die Schotten und Nordiren haben pro EU gestimmt und machen sich Gedanken, wie allenfalls ein Verbleib in der EU doch noch möglich wäre. Eine Loslösung von England wäre nicht undenkbar. Die Neuwahlen dürften hier etwas Klarheit schaffen. Stimmen nun plötzlich mehr Bürger für Pro-EU-Parteien, könnte dies sogar als „Exit vom BREXIT“ gedeutet werden. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Viele Wähler fühlen sich betrogen, wurden doch schon etliche Wahlversprechen der BREXIT-Befürworter gebrochen (mehr Geld fürs Gesundheitswesen, Stopp der Zuwanderung) und die führenden Köpfe Boris Johnson und Nigel Farage machen sich aus dem Staub. Die Drecksarbeit wird anderen überlassen.

Die Verhandlungen mit der EU dürften schwierig werden, denn die Personenfreizügigkeit ist für die EU nicht verhandelbar. Nur mit ihr kriegt man Zutritt zum Kapital- und Gütermarkt der EU, was Grossbritannien so dringend braucht (siehe Verhandlungen mit der Schweiz). Doch nun heisst es erstmal warten, denn all diese Fragen soll die neue Regierung klären, die noch gar nicht gewählt ist. An ihr sei es denn Artikel 50 auszurufen, die offizielle Austrittserklärung, welche eine 2 Jahresfrist zum Austritt einläutet. Bis dahin bleiben der Börse die Unsicherheiten erhalten, die sie so sehr nicht mag und Grossbritannien bleibt noch mindestens bis Anfangs 2019 Mitglied der Europäischen Union. Doch solange dürften die grossen Unternehmen nicht untätig sein; sie beginnen bereits jetzt mit der Verlagerung von Einheiten auf den Kontinent.