Präsident Trump und nun wie weiterMit Entsetzen und Staunen musste das politische Establishement und Medienvertreter den Wahlsieg von Donald Trump entgegennehmen. Hatten ihre Prognosen doch auf einen sicheren Clinton Sieg gesetzt. Ensprechend gross war die Überraschung, welche auch an den Finanzmärkten nicht spurlos vorüber gegangen ist. Während Trump in seiner ersten Rede den Finanzmärkten mit Infrastrukturprojekten Hoffnung machte und auch Pharma-Aktien erleichtert zulegten, dass Clinton ihnen keine Daumenschrauben anzieht, befand sich der Mexikanische Peso im Freien Fall.

Doch wie geht es nun weiter?

Die Einschätzung von Karen Dunn Kelley Fondsmanagerin bei Inveso in Atlanta:

Der wohl turbulenteste und beispielloseste Präsidentschaftswahlkampf der US-amerikanischen Geschichte ist vorbei, aus dem letztendlich Donald Trump als Sieger hervorgegangen ist. Zudem haben die Republikaner die Kontrolle über den Senat und das Repräsentantenhaus behalten. Der Wahlsieger mag feststehen, jedoch nicht, welche politischen Reformen tatsächlich zu erwarten sind, sobald die Zeit der überspitzten Wahlkampfparolen vorbei ist und tatsächlich regiert werden muss.

Die „Kunst des Möglichen“

Politik ist die „Kunst des Möglichen“, heißt es oft. Der neu gewählte Präsident Trump hat in seinem Wahlkampf extrem ambitionierte politische Vorhaben ausgerufen. Obwohl er mit einem von den Republikanern kontrollierten Kongress regieren kann, ist es alles andere als gesagt, dass er den nötigen Rückhalt für seine weitreichenden Reformversprechen in allen Bereichen der Politik bekommen wird – von der Einwanderung über Handel, Gesundheit und Energie bis zu Einkommen- und Unternehmensteuern sowie der Regulierung des Finanzsektors – um nur einige zu nennen. In diesem Zusammenhang sollte auch nicht vergessen werden, dass der neu gewählte Präsident Trump ganz sicher kein traditioneller Republikaner ist und während seines Wahlkampfs immer wieder führenden Vertretern seiner eigenen Partei offen widersprochen hat.

Da sich Trumps Beziehung zu einigen Republikanern im Kongress nur als angespannt bezeichnen lässt, wird viel davon abhängen, welche politischen Prioritäten seine Administration letztlich setzt, wie viel politisches Kapital sie bereit ist, für die Realisierung dieser Vorhaben einzusetzen, und – vielleicht der wichtigste Aspekt – welche Personen mit der Umsetzung der Regierungsprojekte betraut werden. Zugleich könnte die Stimmung in der Öffentlichkeit kippen, wenn es tatsächlich ans Eingemachte geht, zum Beispiel an die Details der Wahlkampfvorschläge von Trump, wie der Abschaffung des Affordable Care Act. In jedem Fall wird der neue Präsident Trump wohl kaum in der Lage sein, die von ihm verfochtenen tiefgreifenden Veränderungen durchzusetzen, ohne nennenswerte Zugeständnisse an den gemäßigten Flügel seiner Partei zu machen – ganz abgesehen davon, dass die Demokraten zweifellos versuchen werden, viele seiner Vorhaben zu verhindern. Und obwohl er mehr Spielraum für Neubesetzungen in der Administration haben wird, könnte sich Trump dazu entscheiden, vorsichtiger vorzugehen, um sich den Rückhalt für weiterreichende Reformprojekte zu sichern, für die er die Unterstützung des Kongresses braucht.

Dennoch könnten sich in einigen Bereichen Möglichkeiten für einen Konsens ergeben. Beispielsweise haben Mitglieder beider Parteien erkannt, wie wichtig der Wiederaufbau und die Modernisierung der Infrastruktur in den USA sind, zum Beispiel der maroden Straßen, Brücken und Stromnetze. Genauso scheint es breiten Rückhalt für eine Unternehmensteuerreform zu geben, durch die Steuersätze gesenkt und Schlupflöcher geschlossen würden.

Für die Wähler in den USA war der politische Stillstand der letzten Jahre frustrierend, an den Märkten kann die damit verbundene Berechenbarkeit dagegen stabilisierend gewirkt haben. Angesichts der politischen Ungewissheiten, die dieses Wahlergebnis aufwirft, gehen wir von einer anhaltenden Marktvolatilität in den kommenden Wochen aus. Der Volatilitätsschub dürfte aber von kurzer Dauer sein und von einer abwartenden Haltung an den Märkten abgelöst werden, während die von der Regierung verkündeten Vorhaben erst einmal verarbeitet und die Wahrscheinlichkeit der Realisierung überprüft wird. Die Marktreaktion nach dem überraschenden Brexit-Votum in Großbritannien könnte in dieser Hinsicht als guter Anhaltspunkt dienen.

Fazit

Als aktive, langfristig ausgerichtete Investoren ändern die Investmentexperten von Invesco ihren Anlageprozess oder ihre Anlagephilosophie nicht in Reaktion auf Wahlen oder andere kurzfristige Ereignisse. Der Erfolg hängt nach unserer Ansicht nicht davon ab, welche Partei im Amt ist. Stattdessen ist man gut beraten, auf den Aufbau eines diversifizierten Portfolios1 zu setzen, welches auf die individuellen, langfristigen finanziellen Bedürfnisse ausgerichtet wird. Weder die aktuelle noch womöglich kurzfristige Marktsituationen sollten zu Änderungen eines Portfolios bewegen. Besser ist es, die individuelle langfristig ausgerichtete Strategie zu verfolgen und diese an die gesetzten und gegebenenfalls geänderten Ziele anzupassen.