Hildebrand und DraghiDie Frage beschäftigt Anleger schon länger. Endet das Experiment der schier unbeschränkten Geldmengenausweitung in Hyperinflation oder in einem Bond-Market-Crash? Was die Vorstellungskraft von Privatanlegern aufgrund der schieren Grösse der Notenbankbilanzen übersteigt, beunruhigt auch die Profi-Anleger. Bisher habe ich auf die Frage noch keine vernünftige Antwort gehört, bis ich letzten Monat einen Vortrag des ehemaligen Top-Notenbanker und heutigem Black-Rock Stratege Philipp Hildebrand (ex SNB) gehört habe.

 

(Hildebrand links im Bild im Gespräch mit Mario Draghi)

Seine Sicht der Dinge dürfte mit der Sicht der FED und EZB weitestgehend übereinstimmen, da er selber einst der führende Notenbanker der G-20 war.

 

So sieht er die Märkte derzeit in einem klaren „Reflation-Mode“. Die Inflation ist im Steigen begriffen und die Dynamik wird seiner Ansicht nach unterschätzt, da sie zum Selbstläufer wird. Trotzdem ist das Inflationspotential limitiert, weil auch das Weltwirtschaftswachstum limitiert ist und der globale Wettbewerb für Preisdruck sorgt.

 

Während die EZB weiterhin Anleihen kauft und so im Rahmen des Quantitative Easing Programms die Geldmenge und Notenbankbilanz ausweitet, lässt das FED die Bilanz bereits schrumpfen, da sie die Zinsen nicht mehr reinvestiert. Er erwartet, dass das FED bald auch die Fälligkeiten nicht mehr reinvestiert. Auf diese Art und Weise könne die Notenbankbilanz jährlich um gegen 20% geschrumpft werden, ohne dass Marktturbulenzen hervorgerufen werden. Was nicht passieren dürfe ist, dass das FED Bonds am Markt verkauft, das würde grosse Unsicherheit und Verwerfungen am Bond-Markt hervorrufen. Durch dieses Nicht-Mehr-Reinvestieren der Fälligkeiten könne die Geldmenge wieder normalisiert werden und die Nachfrage nach Staatsanleihen sinkt, was einer versteckten Zinserhöhung gleichkommt. Was Amerika vormacht könne mit einigen Jahren Abstand auch von der EZB übernommen werden, die dann ihrerseits Ihre Bilanz auslaufen lassen kann.

 

Wie können die Notenbankmilliarden also wieder aus dem Verkehr gezogen werden? Ganz einfach: durch Nichtstun löst sich das Problem automatisch. Einzig für die Schweizer SNB funktioniert das Vorgehen nicht. Deren Bilanz besteht aus Fremdwährungsanleihen und Aktien, da sie den Euro gestützt und den Franken geschwächt hat. Laufen diese Anlagen aus, liegen die Guthaben noch immer in Euro oder USD vor, aber erst durch einen Tausch in Franken kann die Bilanz gekürzt werden. Es brächte also wieder einen deutlich stärkeren Euro und schwächeren Franken bis die SNB bereits überhaupt mit dem Gedanken spielen kann, Euros am Markt gegen Franken einzutauschen.