Mario Draghi hat Negativzinsen eingeführtDer Zins hat eine Jahrtausendealte Geschichte. Zu Babylonischen Zeiten waren Zinsen von bis zu 30% für das Verleihen von Samen üblich. Im Mittelalter durch die katholische Kirche verboten, lag das Zins- und Bankenmonopol bei jüdischen Geschäftsleuten. In der Neuzeit wird mit dem Zins als wichtiges Instrument der Preis für Geld und somit die Geldmenge gesteuert. Doch die gegenwärtige Situation, wie sie sich an den Finanzmärkten derzeit abspielt ist historisch und neuartig: Der Zins ist negativ. Die Vorzeichen haben gedreht. Wer Geld zu vergeben hat, wird mit einem Negativzins belastet, wer Geld als Kredit aufnimmt erhält dafür einen Zins.

Es sind die Notenbanker rund um den Globus, welche im Kampf gegen Stagnation und Deflation zu immer drastischeren und umfangreicheren sowie nie dagewesenen Mittel greifen: Anleihenkäufe, Aktienkäufe und neu auch Negativzinsen im Euroraum, in der Schweiz, Japan, Schweden und weiteren Ländern. Den Banken schmelzen die Erträge im Zinsgeschäft förmlich weg. Wo früher dem Banksparer zum Dank für sein Geld noch einen Zins und Dienstleistungen geschenkt wurden, kommen die Kreditinstitute nicht mehr umhin, für Ihre Dienstleistungen immer mehr Gebühren zu verlangen und über kurz oder lang den Negativzins an die Sparer weiterzugeben.

Ziel der Notenbanker ist es offiziell, eine Deflation zu vermeiden. Deflation ist das Gegenteil von Inflation – die Preise für Waren und Dienstleistungen sinken, das Geld wird immer mehr wert. Eine Inflation kann mit hohen Zinsen gebremst werden, doch eine Deflation gilt als sehr gefährlich, weil bis anhin keine wirksamen Mittel dagegen bekannt sind und die Wirtschaft bei stetig sinkenden Preisen in einer Stagnation festzusitzen droht: Weil morgen alles billiger sein soll, wird nicht investiert sondern abgewartet. Doch ist die gegenwärtige Mini-Deflation von -0.1% schon Grund genug für so drastische und unerprobte Massnahmen? Sind die sinkenden Preise tatsächlich den herrschenden Überkapazitäten in der Wirtschaft geschuldet oder ein Nebenprodukt der aktuell billigen Energiepreise?

Fakt ist, die Wirtschaft rund um den Globus verdaut immer noch die Nachwehen der Finanzkrise 2008. Der damals einsetzende Schuldenabbau und Spartrieb bei Staaten, Unternehmen und Konsumenten lässt die Wirtschaft darben und Rohstoffpreise sinken; auch in China, das Jahrzehntelang der Wachstumsgarant für Deutsche Industrieunternehmen war. Solange die Schulden also nicht abgetragen sind, sondern mit Minizinsen vor sich hergeschoben werden, wird die Weltwirtschaft kaum zu hohen Wachstumsraten und damit Inflation zurückkommen. Die würde eine Abkehr von Negativzinsen ermöglichen. Doch so einfach ist es nicht. Trotz allen Massnahmen wartet Japan seit Jahrzenten auf Inflation, um die Staatsschulden wegschmelzen zu lassen; nur gekommen sie bis jetzt noch nicht. Sparer können also noch längere Zeit nicht mit Zinserträgen rechnen. Dafür wird das Sparkapital unter dem Strich auch nicht durch eine hohe Inflation zunichte gemacht. Freuen können sich Aktionäre und Hypothekenschuldner. Die Dividenden sin im Verglich zu Spareinlagen so hoch wie noch nie und dank Mini-Hypozinsen lässt es sich gut und vor allem günstig leben.

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